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Michael Karner Typografie
A-2640 Gloggnitz, Felsenkellergasse 8
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Aus »Das österreichische Grafische Gewerbe«, Heft 9/2001

 

PoliphilusPresse – ein österreichischer »Fine Printer«

 

Just zu Beginn des neuen Jahrtausends, da nur noch von Elektronik, Computertechnik und Digitaldruck die Rede ist, gründet ein „besessener“ Schriftsetzer eine Buchdruckerei. Jahrelang hat er von weiß Gott woher Bleilettern zusammengetragen, ein altes Barentregal und eine Andruckpresse instandgesetzt, und im Keller seines Wohnhauses in Gloggnitz die Werkstatt eingerichtet, von der er ein Leben lang geträumt hat.

matousek

Im Gespräch mit dem Autor (rechts): Ing. Alfred Matousek

 

Michael Karner hat sich in Europa und Übersee umgesehen nach Zeugnissen der Schrift- und Buchkunst, von denen ein wenig in seiner Offizin zu sehen, vor allem aber viel zu spüren ist. Eines davon ist der Druck des alten Kodex, dessen Namen nun seine Presse trägt; und gleichzeitig ist es seine Lieblingsschrift geworden, in der das frühe Werk gesetzt wurde.

 

Was will Michael Karner durch seine Arbeit erreichen – Vermögen, Ruhm? Nein, es ist einfach die Befriedigung einer Sucht, einer Leidenschaft: die Schrift- und Buchkultur in der ursprünglichen Technik. Da wird nun mühsam gewerkt, Letter um Letter zusammengesetzt, Seite für Seite eingefärbt und tausendfach die Kurbel gedreht, bis eine kleine Auflage entsteht, die gebunden eine bibliophile Kostbarkeit darstellt. Nur zur Freude einiger Gleichgesinnter, Sonderlinge oder Bibliothekare, wie der Biedermeiermaler Spitzweg einen dargestellt hat? Mitnichten, es sollen Beispiele einer traditionellen Kunst sein, die den heutigen „Designern“ dienen könnten, mit ihren Mitteln ein Kulturgut weiterzutragen, das bereits am Rande des Verfalls steht. In diesem Sinne kann man Michael Karner zu seinem Unterfangen nur gutes Gelingen und viel Glück wünschen.

 

Alfred Matousek